Noites Cariocas

Eine Hommage an den Choro

Creole Clarinets | BrazilDer Choro wurde um 1870 in Cidade Nova, einem Vorort Rio de Janeiros mit vorwiegend schwarzer Bevölkerung, geboren. Ähnlich wie der Jazz in Nordamerika entstand er aus der Verbindung von europäischer Tanzmusik (wie Polkas, Walzer und Mazurkas) mit afrikanischen Rhythmen. Die Zeit zwischen den Geburtsjahren dieser ersten authentisch brasilianischen urbanen Musik und 1920 wird als das „Goldene Zeitalter des Choros“ bezeichnet. Viele Kompositionen, die in diesen Jahren entstanden, sind bis heute in Brasilien jedem bekannt.

Nach einer Periode, in welcher scheinbar der Choro seine Bedeutung eingebüsst hatte, eroberte er sich mit Hilfe seiner Verbreitung durch das Radio und durch die einzigartigen Talente solcher Künstler wie Pixinguinha und Jacob do Bandolim seinen Platz in der populären Musik Brasiliens zurück. Eine weitere Renaissance erlebte er in den siebziger Jahren. Heute ist Choro-Musik in Brasilien nach wie vor lebendig.
Zwischen der Choro-Musik und dem traditionellen New Orleans Jazz gibt es erstaunliche Gemeinsamkeiten. Mehr als die Virtuosität des einzelnen Solisten steht das musikalische Kollektiv aller beteiligten Musiker im Mittelpunkt des Musizierens. Die Improvisationen finden meist im Rahmen des Ensembles statt, in dem ein Instrument die Melodie spielt oder variiert, während andere Instrumente zu ihr aufregende Kontrapunkte entwickeln.

Choro bandEntscheidend für die Entwicklung des Choros waren und sind die den Jam-Sessions im Jazz verwandten „Rodas“, in denen Choromusiker gleichberechtigt zusammen musizieren, lernen und ihr musikalisches Wissen weitervermitteln. Die „Rodas“ prägten das demokratische Selbstverständnis dieser Musik.

„Noites Cariocas“ wurde von Thomas l’Etienne, einem der führenden Exponenten der New Orleans-Klarinette, konzipiert. Es ist eine Hommage an die große brasilianische Kunstform und an die magischen Kompositionen von Ernesto Nazaré, Pixinguinha und Jacob do Bandolim. Zugleich ist es aber ein respektvoller musikalischer Flirt zwischen New Orleans und Rio de Janeiro, der Versuch einer Zusammenführung der musikalischen Welten von Louis Armstrong und Pixinguinha.

Der Choro ist zugleich ein ideales musikalisches Vehikel für Uli Wunner und Thomas l’Etienne, um das zu tun, was sie am und liebsten und besten tun, nämlich zusammen zu musizieren. Das Programm gehört seit dem Jahre 2008 zu den gefeierten Höhepunkten in Jazzclubs und auch auf bedeutenden Jazzfestivals. Durch den dauernden intensiven Kontakt mit der brasilianischen Musikkultur und den brasilianischen Musikerfreunden entwickelt es sich aber ständig weiter und gewinnt sowohl an Tiefe wie auch an Unterhaltungswert.